Kinder erleben heutzutage kaum noch einen Bereich in ihrem Alltag, der nicht durch eine starre Kategorisierung “für Jungen” oder “für Mädchen” geprägt ist. Es gibt Filme für Jungen und Filme für Mädchen, Jungsklamotten und Mädchenklamotten, Rucksäcke, Turnschuhe, Bettwäsche, ja sogar Überraschungseier gibt es in einer Version für Jungen und einer Version für Mädchen. Die meisten Spielsachen sind heutzutage auch ganz klar entweder für Jungen oder für Mädchen. Diese Kategorisierung führt dazu, dass Kinder gar nicht mehr die Möglichkeit haben, zu experimentieren und verschiedene Arten von Spielsachen auszuprobieren, um so selbst herauszufinden was ihnen Spaß macht. Ihnen wird von vornherein vermittelt, welche Kategorie für sie bestimmt ist. Innerhalb ihrer Kategorie können Mädchen dann wählen, ob sie lieber mit der Babypuppe, mit einer Barbie oder mit dem rosa Puppenhaus spielen möchten. Jungs dürfen sich dann zwischen Rennautos, Star-Wars-Lego oder Superhelden-Figuren entscheiden.

Geschlechtsspezifische Spielsachen können die kindliche Entwicklung einseitig beeinflussen

Ab einem Alter von 3 Jahren beginnen Kinder sich zunehmend mit ihrem eigenen Geschlecht zu identifizieren. Gibt es also Bereiche die in geschlechtsspezifische Kategorien aufgeteilt sind, ist es recht normal, dass Kinder sich eher die Dinge aussuchen, die sich an ihr Geschlecht richten. In der Spielzeugindustrie ist es meist so, dass Spielsachen, die sich in der Kategorie “für Jungen” befinden und entsprechend vermarktet werden, andere Fähigkeiten fördern als typische Mädchenspielsachen. Das kann dazu führen, dass die kindliche Entwicklung einseitig gefördert wird. So unterstützen etwa Bau- und Konstruktionsspielsachen (eher “Jungsspielsachen”) die Entwicklung räumlicher Vorstellungskraft, wobei typische Mädchenspielsachen wie z. B. Puppen unter anderem Empathie und Sprachentwicklung fördern.

Spielzeugwerbung – was Kindern über die Rolle ihres Geschlechts vermittelt wird

Die Art der Vermarktung und die Bilder der Werbung beeinflussen zudem auch wie Kinder ihr Geschlecht und ihre Rolle wahrnehmen. Die Frau wird generell als jene dargestellt, die sich um Haushalt und Kinder kümmert und zugleich großen Wert auf ihr attraktives Erscheinungsbild legt. Hierzu gibt es für Mädchen Spielzeugbesen, Spielzeugherd, Puppenwagen und natürlich kleine rosa Schminkkoffer. So können sie sich spielerisch auf ihre Zukunft vorbereiten. Der moderne Mann ist laut typischer Spielzeugwerbung stark, aktiv und selbstbewusst. Jungen dürfen schon früh in Superhelden-Kostüme schlüpfen, mit Spielzeugautos um die Wette fahren und ihre Dinosaurierfiguren brüllen lassen.

Neutrale Spielsachen erlauben ein vielseitigeres Spiel und geben Kindern die Möglichkeit zu wählen und zu experimentieren

Es ist an der Zeit die geschlechtsspezifischen Spielzeugkategorien aufzubrechen und die stereotypischen Bilder der Spielzeugwerbung abzuschaffen. Mädchen sollten wissen, dass sie auch stark und laut sein dürfen und dass Bauspielzeug und Spielzeugautos nicht nur für Jungen sind. Jungen sollten auf der anderen Seite mehr Möglichkeiten haben, mit Spielsachen zu spielen, die soziale Fähigkeiten und Einfühlungsvermögen stimulieren. Natürlich wird es immer Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen geben. Es wäre aber schön, wenn Kinder durch neutralere Spielsachen ohne geschlechtsbezogene Kategorisierungen mehr Möglichkeiten hätten zu experimentieren und zu wählen. So könnten sich Kinder freier und individueller entwickeln und hätten zudem eine fortschrittlichere Einstellung zur Rollenverteilung der Geschlechter.